Montag, 4. Januar 2016

Zu Gast bei Freunden

Erst Hamburg, nun geht es in die Welt hinaus. Jedes Jahr wählen NIT-Alumni aus Class 14 ein anderes Ziel, um die Heimat ihrer Kommilitonen kennenzulernen. Gemeinsam waren sie bereits in Indien und Ungarn, 2016 wollen sie in die USA fliegen.

Imre, Vivek, Matthias, René und Yijun sitzen im Flugzeug. Es geht nach Indien, in Viveks Heimat. Sie wollen das Land kennenlernen, von Neu Delhi aus nach Goa, dann ins südliche Kerala und schließlich in den Himalaja nach Leh. Die fünf haben sich am NIT Northern Institute of Technology Management kennengelernt. Parallel zum Studium an der Technischen Universität Hamburg haben sie hier zwei Jahre lang einen Management-Master absolviert. Die insgesamt 30 Studierenden der Class 14 kommen aus zehn Ländern und fünf Kontinenten.

"Wir waren neugierig, wo unsere Kommilitonen herkommen", sagt Vivek. "Außerdem wollten wir uns nach dem Studium nicht aus den Augen verlieren. Also haben einige von uns den ,NIT International Travel Pact' geschlossen." Jedes Jahr wollen die Ingenieure ein anderes Land bereisen und so auch die Familien der anderen kennenlernen.

2013 besuchten sie Indien. Stützpunkt der Reise war ein Apartment etwa 30 Kilometer von Delhi entfernt in der Nation Capital Region - hier wohnen Viveks Eltern. Seine Mutter bekochte ihren Besuch reichhaltig. "Sie war so aufgeregt, ein volles Haus zu haben", sagt Vivek. Die internationalen Gäste seien für sie etwas ganz Besonderes gewesen. "Auf unserer Reise haben wir viel gesehen", sagt Matthias, "ob beim Ausflug zum Taj Mahal oder bei der mehrtägigen Tour durch die Teeplantagen in Kerala." Sie fuhren über den Kardung-Pass, einen der höchsten befahrbaren Gebirgspässe der Welt. Durch die dünne Luft ging hier alles nur in Zeitlupe, sie waren leicht aus der Puste und bewegten sich sehr bedächtig. In Leh, 3500 Meter über Normalnull, machten sie einen Kamelritt durch eine Kältewüste. Berge, Wasser, Schnee und Wüste - der Himalaja bietet alles gleichzeitig. Leider konnte Yijun nicht mitkommen, da er als Chinese aus politischen Gründen keinen Zugang zu diesem Gebiet erhielt.

In Indien haben die Studenten gelernt, aufeinander Rücksicht zu nehmen. "Drei Wochen lang haben wir alles miteinander gemacht: gelebt, gelacht, geredet, Karten gespielt. Und wir waren füreinander da, beispielsweise bei der obligatorischen Lebensmittelvergiftung", sagt Vivek. "Wie in einer Familie." In diesem Frühjahr lud Imre seine Freunde nach Ungarn ein. Mit Andrew, Désirée, Maxwell und Timothy kamen auch andere Kommilitonen mit, vom Kern-Team der Indienreise blieben Imre, Vivek und Matthias. Es begann mit einem klassischen Trip durch Budapest: Burgviertel, Andrássy-Straße, Donauufer, Heldenplatz und natürlich das Nachtleben. Die Familie von Imre organisierte die Unterkunft. Dann ging es ins östliche Hinterland. In Imres Heimatstadt Hajdúböszörmény erlebten die NIT-Alumni das eigentliche Ungarn, die leckere Küche, Gastfreundschaft, ein Geburtstagsfest im Rahmen der Familie inklusive Fußballspiel. Letzteres war für alle etwas Besonderes: für die Einheimischen ebenso wie für die Gäste aus Australien, Indien, Deutschland, Nigeria und Amerika, die mit Englisch nicht immer weiterkamen und sich nonverbal verständigten. Eine Tradition erleichterte dies: "Kaum sind Gäste da, kommt in Ungarn Pálinka auf den Tisch", sagt Matthias. Den hochprozentigen Obstbrand gibt es in verschiedenen Sorten. Unvergessen bleibt auch eine Weinprobe auf dem Land in einem urigen Weinkeller. Gute Gespräche und gemeinsame Erlebnisse schweißen die Freunde, die aus verschiedenen Kulturen kommen, zusammen - auch wenn sie sich inzwischen nicht mehr täglich sehen. "Beim gemeinsamen Reisen sind wir offen und wollen Neues erleben", sagt Imre. Das mache es leicht, in der Gruppe zu funktionieren. "Wir machen dann alles gemeinsam - das festigt unsere Freundschaft." Inzwischen leben einige der ehemaligen Kommilitonen bereits in anderen Städten und Ländern.

Für 2016 planen die NIT-Alumni bereits ihre nächste Reise. Zum Unabhängigkeitstag am 4. Juli geht es in die USA. Hier freut sich Andrew, ebenfalls NIT-Alumnus, den Freunden die Staaten zu zeigen und seine Familie in Kansas vorzustellen. "Bestimmt erhalten wir durch ihn Einblicke in Land und Leute, die uns ansonsten verschlossen bleiben würden", ist Imre sicher.  

Matthias Schmittmann

Im August hat der 27-Jährige seinen Master in Chemical and Bioprocess Engineering abgeschlossen. Parallel zum ingenieurwissenschaftlichen TUHH-Studium absolvierte er am NIT das MBA-Programm, wo er den Schwerpunkt Entrepreneurial Management belegte. Gemeinsam mit einem Kommilitonen gründete er 2014 in Hamburg das Unternehmen bentekk, das sich auf mobile Gaschromatographen spezialisiert hat.  

Vivek Tyagi

Geboren in Indien, kam Vivek Tyagi 2011 nach Deutschland, um hier Information and Communication Systems zu studieren. Sein Erspartes reichte nur für ein Jahr. Also zog er zielstrebig sein Masterstudium durch und suchte sich einen Job als Werkstudent. Über NXP Semiconductors gelangte er ans NIT, wo er sich mit dem MBA noch breiter aufstellte. Heute ist Vivek Trainee bei NXP und dort im internationalen Produktmanagement tätig.

Imre Kulcsár

Der 28-Jährige stammt aus einer Kleinstadt im Osten von Ungarn. 2012 ist er für das Double-Degree-Programm von TUHH und NIT nach Hamburg gekommen. Zuvor studierte er in Budapest Industrial Management und Mechanik auf Bachelor. Inzwischen arbeitet der Maschinenbauingenieur bei der Seidenader Maschinenbau GmbH in München als Projektingenieur. Imre ist Vorsitzender des NIT Alumni Network.


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